Gut besuchter 25. Morgenimpuls über das Thema "Glocken"

Am 6. Mai fand bereits der 25. Morgenimpuls im Gemeindehaus Mennighüffen statt. Geprägt war der Vormittag von Glocken. Eingeläutet wurde die Veranstaltung zu dem Thema „Glocken“ mit einem Musikstück des Handglockenchores Rahden unter der Leitung von Susanne Quellmalz. Frau Quellmalz ist auch Kirchenchor-  und Kinderchorleiterin in Mennighüffen. Der Handglockenchor hat die Besucher noch mit mehreren sehr schönen Stücken erfreut.  Pastorin Starnitzke nahm in ihrer Andacht ebenfalls das Thema Glocken auf.  „Festgemauert in der Erden steht die Form aus Lehm gebrannt. Heute muss die Glocke werden, frisch, Gesellen, seid zur Hand“… So beginnt das Lied von der Glocke, das Friedrich Schiller 1799 verfasst hat. In großartigen Versen entfaltet er den Guss einer Glocke und damit verwoben die Lebenswege der Menschen. Die Geburt, die Heirat, den Tod, die Feuersbrunst, den Volksaufstand. Später fasste Erich Kästner die „Glocke“ in viele Zeilen: „Wenn im Turm die Glocken läuten, kann das vielerlei bedeuten. Erstens: Dass ein Festtag ist. Dann: Dass du geboren bist. Drittens: Dass dich jemand liebt. Viertens: Dass es dich nicht mehr gibt. So stellt Erich Kästner die Reise unseres Lebens kurz zusammen. Ganz selbstverständlich sind uns die Glocken der Lebensfeste und der Festtage geworden: Konfirmation, Weihnachtsglocken, Neujahrsgeläut und jeden Sonntag rufen sie uns zum Gottesdienst. Wenn es auch in biblischer Zeit noch keine Glocken gab, so gibt es einen Vers, der selber wie Glockengeläut ist. In Matthäus 28.20: Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende. Die Glocken rufen uns Menschen, sie rufen du bist nicht allein, bis an der Welt Ende. Glockenklang sagt, Du hast Zukunft!  

Nach der Andacht und schönen Vorträgen des Handglockenchores wurde zu einem leckeren Frühstück eingeladen. Gestärkt und zufrieden hörten wir dann dem interessanten Vortrag von Herrn Brocke zu.

Oskar Brocke legte Wert darauf, nicht als „Glockenexperte“ bezeichnet zu werden – dazu gehöre mehr Detailwissen auf den verschiedenen Gebieten der Glockenkunde. „Glockenfreund“ sei eine sachgerechtere Bezeichnung.

Zu Beginn betonte er, eine Glocke sei zunächst einmal ein Musikinstrument mit bestimmten physikalischen Eigenschaften und einer über tausendjährigen historischen Entwicklung.

Das Christentum hat sich lange gesträubt, Glocken als Ruf- und Aufrufinstrumente einzusetzen, weil sie in anderen Kulten und im weltlichen Alltag als Signalgeber eine Rolle spielten und auch Dämonie und Hexerei zum Inhalt hatten. Hinweise auf Glöckchen im Alten Testament ließen das Thema auf Dauer aber nicht ausschalten.

So sind Glocken vor allem durch die Mission irischer Mönche auf dem europäischen Kontinent als ein äußeres Zeichen des Christentums heute weltweit in Gebrauch.

Eine intensive Entwicklung von Kirchenglocken beginnt ab etwa 700 n. Chr., die in der berühmten „Gloriosa“ des Jan de Wou um 1500 einen ersten Höhepunkt erreicht, der auch heute noch Maßstäbe im Glockenwesen setzt.

Mit Beispielen von Tonaufnahmen (ab etwa 1960, in unterschiedlicher Qualität – die zeitlich späteren mit technisch besseren Geräten) aus Eigenproduktion sowie von Freunden und Bekannten wurde die Geschichte nachgezeichnet. Musikalisches und Technisches wurde am Klavier und mit Hilfe einer kleinen Demonstrationsglocke samt Aufhängung akustisch und optisch ergänzt.

Dazu gehörten ebenfalls Erläuterungen zum staatlich perfekt organisierten Glockenraub in den beiden Weltkriegen und – ab dem 19. Jh. – der Einsatz von Ersatzmetallen -, besonders Eisenhartguss und Gussstahl.

Gute „Läuteordnungen“ dürfen im Glockenwesen nicht fehlen, damit es nicht heißt: „Es bimmelt mal wieder. --- Wozu? --- Keine Ahnung“

Mennighüffen beweist mit seiner Läuteordnung von Pastor Dütemeyer von 1927 – in den Grundsätzen noch heute in Gebrauch -, dass es gute Traditionen und Vorbilder gibt. Das Gegenteil ist aber leider nicht nur in Gegenden Bayerns zu finden: Beim Vorhandensein mehrerer schöner Glocken läutet man da nach der örtlichen Läute-Unordnung immer „volles Rohr“, als Einzelglocke gibt’s nur eine Totenglocke und eine dreimal täglich klingende Betglocke. Letztere fehlt in protestantischen Gegenden außerdem noch häufig: „Wozu? – Ha’m wa nie gebraucht, und brauchen sie deshalb heute auch nicht.“ – Man möchte nicht die Kritik am Organisten hören, der von seinen 25 Registern zwei einzelne kennt, im Übrigen aber nur den Tutti-Zug.

Zum Schluss fehlte nicht ein Hinweis auf Hunderte von Beispielen zur Glockenkunde, die Experten und Interessierte bei You-Tube ins Internet stellen.

Am Ende war es ein sehr informativer Vormittag, der wieder wie im Fluge verging. Schon jetzt dürfen wir uns freuen auf den 26. Mennighüffer Morgenimpuls. Dieser wird am 14.10.2017 stattfinden. Als Referentin wird Inge Rolfsmeier sprechen zum Thema „Ein Blick zurück – Zigarrenfabriken in Mennighüffen.