Pipes and Drums: Begeisterndes „Crossover“-Konzertprojekt in Mennighüffer Kirche

Die knapp 100 Besucher, die am vergangenen Samstag der Einladung in die Mennighüffer Kirche zum Konzert unter dem Motto „Pipes and Drums“ folgten, dürften sicherlich mit sehr unterschiedlichen Erwartungen und Vorstellungen in die Kirche gekommen sein. Am Ende sah man begeisterte Menschen, die es offensichtlich kein bisschen bereuten, sich auf dieses Experiment eingelassen zu haben.

Gut eineinhalb Stunden begeisterten die Protagonisten Leon Immanuel Sowa an der Orgel und Norbert Wilke am Schlagzeug die Besucherinnen und Besucher mit lebhaften Rhythmen, bewegenden Klängen und einem hervorragenden Zusammenspiel.

Gerhard Sowa, Leiter der Löhner Musikschule und Vater des Organisten, führte mit seiner Moderation gut in die jeweiligen Stücke ein und erläuterte eingangs auch die Idee des Konzertes: „Crossover ist ein aktueller Gattungsbegriff aus der Musikszene und meint eigentlich Popmusik, in die Themen aus der Klassik eingemischt sind“.

In der kirchenmusikalischen Praxis gewinnt die Popularmusik seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung. Und so waren auch in diesem Konzert einige zeitgenössische Orgelstücke zu hören, die eine reine Pop- oder Jazzkomposition darstellen.

Das Besondere am Konzert in Mennighüffen war allerdings die zusätzliche „Veredelung“ dieser Musik durch die Begleitung des Schlagzeuges, die wohlgemerkt nicht auf einer bereits vorhandenen auskomponierten Schlagzeugstimme basierte.

So konnte man als Zuhörer nur erahnen, wieviel Herzblut die beiden Musiker in ihr gemeinsames Projekt gesteckt haben mussten um dieses umfangreiche Programm entwickelt zu haben. Es waren endlose Stunden, wie man am Rande erfahren durfte.

Und dieser Aufwand hatte sich zweifellos gelohnt: Die Musiker überzeugten nicht nur durch besondere, mitreißende Spielfreude und raffinierte Ideen in ihren Arrangements, sondern auch durch ein ausgezeichnetes Zusammenspiel, quasi so als sei diese Verbindung schon seit Ewigkeiten gewohnte Praxis.

Ein besonderes Highlight stellte das Stück „Help“ aus der Feder von Thomas Riegler dar. Hier hatten die Musiker an geeigneter Stelle den Mittelteil ausgedehnt und so Raum geschaffen für ein Schlagzeugsolo, bei dem der Schlagzeuger Norbert Wilke sein Können aufblitzen lassen konnte, was durch die Zuhörerinnen und Zuhörer mit spontanem Zwischenapplaus quittiert wurde.

Dass ein Schlagzeug sehr laut sein kann, überraschte sicherlich niemanden. Dass aber auch die leisen Töne zu den besonderen Momenten dieses Konzertes gehören würden, hätte man vorher vielleicht nicht erwartet. So war beispielsweise die „Suite Petite“ von Matthias Michel ein solches Stück, bei dem es im mittleren Satz eher ruhig zuging und sich Norbert Wilke mit seinem sensiblen Besenspiel in die zarte Registrierung der Orgel einfügte.

Für die Fans großer klassischer Orgelmusik hatte Leon Sowa unter anderem das berühmte Präludium und Fuge in D-Dur (BWV 532) von Johann Sebastian Bach mit im Gepäck, was er in all seiner Virtuosität gewohnt überzeugend vortrug.

Das große Finale stellte die große Toccata aus der 5. Orgelsymphonie von Charles-Marie Widor dar – ein Stück, das an den Organisten ohnehin höchste Ansprüche an Kondition und Konzentration stellt. Die Zuhörer bei diesem Konzert durften nun erleben, wie auch dieses große romantische Orgelwerk durch das Schlagzeug bereichert wurde.

Insgesamt überzeugte das Konzert mit seinem Ansatz auf ganzer Linie. Dies bestätigten auch diverse Äußerungen mancher Gäste, die es am Ende nicht mehr auf den Sitzen hielt und dadurch zwei Zugaben erreichen konnten. Neben dem perfekten spieltechnischen Vortrag, dem generell ausgezeichneten Zusammenspiel der beiden Künstler überzeugte vor allem auch die generelle Programmgestaltung. Die klassischen Solo-Orgelstücke fügten sich z.B. sehr gut in die sehr rhythmischen und popularmusikalischen Stücke hinein. Die mit viel Fleiß und Liebe zum Detail ausgearbeiteten Arrangements verdienen höchste Anerkennung.

Es bleibt, den beiden Musikern für dieses tolle Projekt ganz herzlich zu danken. Nicht zuletzt kann dies generell als sehr guter Dienst am doch sehr klassischen Instrument der Kirchenorgel gesehen werden. Das Konzertpublikum für Orgel ist in den vergangenen 50 Jahren eben nicht unbedingt größer geworden. Dass an diesem Abend allerdings so manch jüngerem Besucher auch die sehr klassischen Orgelklänge nahegebracht werden konnten, ist ein sehr positiver Nebeneffekt. Nicht zuletzt das unterstreicht die Chancen von „crossover“!